Influenstar – fake it till you make it

Influenstar – fake it till you make it

Afife Eser
Tebeya Leicht
Olga Krasizkaja
Lisa Kern

Influenstar ist ein medien- und konsumkritisches Critical Design Projekt, das unsere Sehgewohnheiten auf Sozialen Netzwerken in den Fokus stellt. Durch die fiktive Influenstar-Produktwelt der ebenfalls fiktiven Deepfake Corporation wird ein mögliches Zukunftsszenario visualisiert, in dem Online Inhalte gezielt von Influencern gefälscht bzw. auf die wirkliche Umgebung gemappt werden. Die Grenze zwischen realen und virtuellen Bildern verschwimmt. Der Nutzer wird durch die Influenstar Produkte getäuscht und bekommt nur zu sehen, was er sehen soll.


Analytisches Gestaltungsprojekt

SG2


Supervision

Hinführung


Ähnliche Entwicklungen, wie die im Projekt beschriebene fiktive Welt, sind in der heutigen Online Umgebung schon Alltag. Das ist kein Wunder, denn: Mittlerweile haben beinahe 60% der Weltbevölkerung Zugriff zum Internet. (1) Die tägliche Internetnutzung und damit einhergehend die Nutzung von Sozialen Medien, steigt kontinuierlich. Weltweit sind 3,48 Milliarden Menschen auf Sozialen Netzwerken aktiv, in Deutschland ist es knapp die Hälfte (46%) der Gesamtbevölkerung. Prognosen zufolge steigen täglich sowohl Nutzerzahl als auch Nutzungsdauer. (2)

70 Prozent der Nutzer können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen.

Mehr als 9 von 10 Nutzern sozialer Netzwerke sind dabei per Mobilgerät online. (3) Bereits im Jahr 2016 wurde das Smartphone zum wichtigsten Internetmedium der deutschen Bevölkerung. (4) Heute, 13 Jahre nach der Markteinführung des iPhones, haben Smartphones die Lebenswirklichkeit und die Gesellschaft grundlegend verändert. 70 Prozent der Nutzer können sich ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellen.(5)

Abbildung 01: Anteil der Internetnutzer in Deutschland in den Jahren 2001 bis 2019

Diese Entwicklungen beeinflussen die Sehgewohnheiten der Menschen – zum einen ist in Europa durch die Digitalisierung und die Nutzung von mobilen Endgeräten vor allem die jüngere Bevölkerung zunehmend von Kurzsichtigkeit betroffen, (6) zum anderen stellen uns Deepfakes, undurchsichtige Algorithmen, Filter oder Filterblasen vor die Herausforderung, den Wahrheitsgehalt des Gesehenen zusätzlich zu reflektieren.

We become what we behold. We shape our tools, and thereafter our tools shape us. — Father John Culkin, SJ (7)

Social Media Netzwerke sind der Ursprung für verschiedene, moderne Phänomene. Das Phänomen “FOMO” (fear-of-missing-out) beispielsweise beschreibt und reflektiert unsere ständig verbundene Gesellschaft. Das dauerhafte Checken des Smartphones ist dabei nicht nur auf die Angst, etwas zu verpassen, zurückzuführen. (8) Laut dem Bundesgesundheitsministerium sind viele Deutsche schlichtweg von Onlinesucht betroffen. Einer aktuellen Studie der Universität Lübeck zufolge beinhaltet die Nutzung von Social Media dabei ein ähnlich großes Suchtpotenzial wie das Spielen von Onlinespielen. (9) Innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufwachen am Morgen und auch kurz vor dem Zubettgehen schauen rund 40 Prozent der Deutschen auf Ihr Smartphone. (10) (11)

Abbildung 02: Auswirkungen von Social Media

Zusätzlich beeinflussen Algorithmen unsere Internetnutzung, vor allem auf Sozialen Medien. Aus unserem vergangenen Nutzungsverhalten leitet der Algorithmus ab, was wir als nächstes zu sehen bekommen. So entsteht für jede/n von uns eine eigene, kleine, perfekte Welt: die Filterblase. Ob das, was wir zu sehen bekommen, die Realität abbildet, steht hierbei nicht im Fokus. Durch die Funktionsweise von den meisten Social Media Algorithmen können Filterblasen, Echokammern, Fake News und Hate Speech entstehen oder verstärkt werden. (12)

Deepfakes erschüttern unsere Realitätsgewissheit. — Wiebke Loosen, Hans Bredow-Institut für Medienforschung (13)

Fake Views: Hinzu kommt die stetige Verbesserung der Deepfake-Technologien. Diese mischen sich über die sozialen Netzwerke sogar schon bedeutend in demokratische Prozesse ein. Dabei sind wir heute noch im Stande, das angezweifelte und verdächtige Videomaterial zu überprüfen. Welchen Einfluss werden Deepfakes jedoch in einer Zukunft haben, in der dies nicht mehr möglich sein wird? (14)