Beyond — Immersive Messaging

Beyond — Immersive Messaging

Paul Hermann
Carina Kraus

Wir posten Bilder und Videos, bearbeiten und filtern wie nie zuvor. Aber in den seltensten Fällen machen wir das für die Menschen, die uns wirklich am Herzen liegen. Zwischen bedeutungslosen Textnachrichten geht verloren, was uns eigentlich verbinden sollte: Emotion. Mit Beyond erkunden wir neue Wege der persönlichen Konversation, fernab von endlosen Timelines und Recommendations. Beyond schafft mit neuen Technologien wie AR ein alternatives Konzept, wie persönliche Kommunikation zukünftig immersiver und menschengerechter werden kann.


SG2 Analytische Gestaltung

SG2


Supervision
Prof. Benedikt Groß
Dr. Eileen Mandir
Ansgar Seelen

Hinführung

Vision und Relevanz

Aufgrund der anhaltenden Globalisierung entstehen vielfältige Lebenswege, unabhängig von Wohnort und Staatsangehörigkeit. Als Global Citizens finden sich immer mehr Menschen physisch getrennt von ihren Familien und Freunden:innen wieder. Im Gegensatz dazu basieren unsere heutigen Kommunikationswerkzeuge zunehmend auf dem Überfluss von Austausch von Konnektivität. Social-Media-Nutzer:innen optimieren Posts und Stories für fremde Menschen und kommunizieren mit Brands und Produkten statt mit Familie und Freunden:innen.

Um diesen neuartigen sozialen Bedürfnissen und Situationen gerecht zu werden, in denen die digitale Kommunikation die größte Rolle spielt den emotionalen Kontakt aufrecht zu erhalten, müssen Kommunikationswerkzeuge auf grundlegend anderen Werten aufbauen. Zu diesen Werten zählen wir Emotion, Geborgenheit und Intimität. Für diese wenig optimierten Gefühlsebenen gewinnen unter anderem Technologien wie AR und VR eine völlig neue Relevanz.

In anhaltenden Situationen der physischen Getrenntheit kann Virtualität eine Brücke bauen, die Menschen eine gemeinsame Kommunikationsstätte bietet. Technologien wie künstliche Intelligenz (AI) und maschinelles Lernen (ML) machen schon heute räumliche Erfahrungen mit geringer Bandbreite möglich. Einen virtuellen Raum zu betreten soll uns geborgen fühlen lassen, wie das Heimkommen zur Familie nach einem langen Jahr an Weihnachten. Räume und deren Inhalte und Zustand zeitlich zuordnen zu können, ist das, was wir in der Realität jeden Tag erleben und uns Halt gibt: Sei es der Blumenstrauß auf dem Tisch, die Weihnachtsdekoration am ersten Advent oder Kerzen an Gräbern auf dem Friedhof. Die Kommunikation mittels zeitkritischer Artefakte erlaubt uns nicht nur inhaltlich, sondern auch implizit durch kulturelle Normen zu kommunizieren.

Virtuelle Erfahrungen sind heute (Stand 2020) geprägt von Sterilität und Künstlichkeit. Genau hier sehen wir Gestaltungsspielraum für zukünftige Konzepte und Innovationen. Kombiniert mit der Zukunftsfähigkeit und Achtsamkeit der Asynchronität wollen wir erarbeiten, wie Kommunikation in Zukunft multidimensional gelingen kann und über das Sichtbare hinweg „Seeing beyond“ zu meistern ist.

Synchrone und asynchrone Kommunikation

Sowohl synchrone als auch asynchrone Kommunikation prägen die Art und Weise wie wir uns mit Freunden:innen verabreden, mit Kollegen:innen gemeinsam an einer Präsentation arbeiten oder einem Familienmitglied zum Geburtstag gratulieren. Jede dieser Situationen ist geprägt von Werkzeugen, mit denen wir Informationen teilen können. Je nach Charakter der Situation und der Beziehung zu unserem Gegenüber greifen wir – oft auch unbewusst – entweder zur synchronen oder asynchronen Art der Kommunikation. Der Unterschied liegt darin, ob die Informationen in Echtzeit oder verzögert übertragen und abgerufen werden. Zu synchronen Kommunikationsarten gehören beispielsweise das Telefonieren, der Videoanruf oder das persönliche Gespräch. Asynchrone Kommunikationsarten sind SMS, Email, Sprachmemos oder Briefe.

Beide Kommunikationsarten haben ihre Vor- und Nachteile. Synchrone Kommunikation ist oft persönlicher, lebensnaher und intimer als die asynchrone Kommunikation. Gespräche in denen Gesprächspartner:innen in Echtzeit reagieren sind näher an der Realität. Zudem transportiert die Stimme eines Menschen neben den inhaltlichen Aussagen eine große Menge an Emotionen. Asynchrone Kommunikation hingegen erlaubt es, sich mehr Zeit für eine Antwort zu lassen, um beispielsweise komplexe Informationen verarbeiten zu können. Auch große Übertragungsmengen, die unter anderem bei dreidimensionalen VR- oder AR-Streams aufkommen, erfordern bandbreiten-bedingt Asynchronität.

Humane Technology

Aus verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten ging in den letzten Jahrzehnten hervor, dass sich Echtzeitkommunikation und andere Eigenschaften der vorherrschenden sozialen Medien negativ auf die Mentalität und das Wohlbefinden ihrer Nutzer:innen auswirken kann. Nicht zuletzt durch Dokumentationen wie “The Social Dilemma” werden diese Defizite in der Gestaltung von Produkten und Services immer präsenter. Aus diesen Gegebenheiten heraus hat sich ein neuer Markt eröffnet. Dieser hat es sich zum Ziel gesetzt beispielsweise mit der Aufmerksamkeit von Nutzer:innen respektvoller umzugehen, als herkömmliche Software. Unter sogenannten “Humane Principles” werden umfassende Gestaltungsphilosophien aufgestellt, die Gestalter:innen helfen sollen, die Konsequenzen von digitalen Produkten besser bewerten zu können. Das Ziel ist es, Menschen dabei unterstützen, einen gesunden Umgang mit Technologie zu lehren. Im Bereich der persönlichen Kommunikation sehen wir den Status Quo als rückständig.

Lösungsraum

Führt man den Megatrend der Globalisierung und den damit getrennten Familien mit der Philosophie Humane Technology’s zusammen, eröffnet sich eine Vision, in der persönliche und virtuelle Kommunikationsarten erkunden kann. Wir stellen uns die Frage:

Wie muss Kommunikation gestaltet sein, um dem Phänomen der Vereinsamung entgegenwirken zu können und gleichzeitig einen gesunden Umgang zu gewährleisten?