Ida – künstliche Intelligenz als persönlicher Lebensberater

Ida – künstliche Intelligenz als persönlicher Lebensberater

Rana Cakir
Vera Schindler-Zins
Anna Jeske

Unsere Reportage zeigt eine Zukunftsvision, die sich mit der Frage beschäftigt welche Rolle künstliche Intelligenzen (im folgenden KI) zukünftig in unserem Alltag einnehmen könnten. Im Kontext der smarten AR Brille, die mit der KI „Ida“ verbunden ist, und dem fiktiven Unternehmen Future Sense Solutions, werden verschiedene Situationen des Alltags beleuchtet. Die einzelnen Szenen zeigen dem Zuschauer, wie sich die KI „Ida” in dieser Situation verhält und in die Szenerie eingreift. Die gezeigten Momente des Alltags sind bewusst lebensnah gehalten, um das Gesamtkonzept für den Zuschauer greifbar zu machen. In allen drei Szenen nimmt „Ida” die Rolle des Lebensberaters der Protagonistin ein.


SG2 Analytische Gestaltung

SG2


Supervision
Prof. Benedikt Groß
Dr. Eileen Mandir
Ansgar Seelen

Thematische Herleitung

Künstliche Intelligenzen sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Egal ob in Industrie, Landwirtschaft oder dem privaten Gebrauch, überall finden sich Aufgaben, die mithilfe einer KI schneller, besser und präziser erledigt werden können.

Da ist es kein Wunder, dass der Markt der künstlichen Intelligenzen boomt. Experten sprechen mittlerweile sogar von einem exponentiell wachsenden Markt. So wird prognostiziert, dass der Markt der künstlichen Intelligenzen bis 2025 auf 36,8 Mrd. US-Dollar anwachsen wird. [1] Und auch dem europäischen Markt wird ein exponentielles Wachstum prophezeit. 2022 soll der Marktwert bereits bei 10 Mrd. Euro liegen. Zum Vergleich: 2018 lag das Marktvolumen gerade einmal bei 2 Mrd. Euro. [2]

Mit zunehmender Verbreitung künstlicher Intelligenzen steigt auch ihre Akzeptanz in der Gesellschaft. 2020 sahen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung eine Chance in dem Einsatz von KI. Deutlich mehr als drei Jahre zuvor, wo der Wert bei gerade einmal 48% lag. Diese gesteigerte Akzeptanz lässt sich auf zwei Faktoren zurückführen: Zum einen eine bessere Aufklärung, zum anderen aber auch eine verstärkte Nutzung. Am häufigsten finden KIs im Alltag Verwendung in Textvorschlägen beim Nachrichtenschreiben, in Routenvorschlägen von Navigationssystemen, in Sprachassistenten, aber auch in Titelempfehlungen beim Streaming und in Übersetzungsprogrammen kommen sie überaus häufig zum Einsatz. [3]

Im Rückschluss bedeutet das, dass nicht nur gesteigertes Wissen dafür sorgt, dass wir künstliche Intelligenzen akzeptieren, sondern auch die schlichte, schleichende Gewöhnung an sie. Wir sind jedoch der Meinung, dass eine solche Technologie, die das Potenzial hat unser alltägliches Leben derart tiefgehend zu beeinflussen, gesellschaftlich reflektiert werden sollte. Und dazu gehört nicht nur über die positiven Einflüsse, die wir künstlicher Intelligenz keineswegs absprechen wollen, nachzudenken, sondern auch Einflüsse zu thematisieren, die wir als weniger wünschenswert beurteilen. Denn wir denken, dass diese Grenze insbesondere im privaten, alltäglichen Gebrauch äußerst schmal ist.

Menschen neigen dazu ihre Verantwortung an höhere Instanzen abzugeben. [4]

Seien es Vorgesetzte, Politiker oder religiöse Figuren. Das ist an sich keine große Neuigkeit. Im Kontext einer persönlichen künstlichen Intelligenz bekommt diese Dynamik allerdings ein ganz anderes Gewicht. Was passiert, wenn wir sensible Lebensentscheidungen von künstlichen Intelligenzen treffen lassen? Wie viel Freiheiten geben wir dadurch ab? Wer haftet im Zweifelsfall? Was macht das mit unserem Selbstbild? Und ist es überhaupt möglich emotionale Faktoren in Entscheidungen künstlicher Intelligenzen miteinzubeziehen?

Künstliche Intelligenz als Laplacescher Dämon?

Der Mathematiker, Physiker und Astronom Pierre-Simon Laplace (1749-1827) stellte 1814 die Theorie auf, dass die Gegenwart lediglich die logische Konsequenz aus den Begebenheiten der Vergangenheit und Gegenwart sei. Dass also eine höhere Intelligenz, die mit den Zuständen aller Materie vertraut sei, dementsprechend auch die Zukunft vorausberechnen könnte:

„Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums als Folge eines früheren Zustandes ansehen […]. Eine Intelligenz, die in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennt, […] die Bewegungen der größten Himmelskörper und die des leichtesten Atoms mit inbegriffen. Nichts wäre für sie ungewiss, Zukunft und Vergangenheit lägen klar vor ihren Augen.“ [5]

Pierre-Simon Laplace

Dieses, zugegebenermaßen alte, Gedankenexperiment ließ uns darüber nachdenken, welches Potenzial in einer künstlichen Intelligenz steckt, wenn sie nur mit genug Informationen über die Vergangenheit und die Gegenwart „gefüttert” werden würde. Wäre theoretisch ein Zustand möglich, in dem die KI unsere Zukunft vorausberechnen könnte?