Kommunikationsstrategien

Kommunikationsstrategien

Emily Jäger
Julia Schmitt
Fabian Vincenz

Eine Aktion, um Menschen mit einer Beeintr├Ąchtigung eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben und den Eintritt in eine vorwurfsfreie Gesellschaft zu schaffen.


Kommunikationsstrategien (B)

SG2


Supervision
Natalie Kohler

Analytische Ordnung

Ausgangssituation

In Deutschland lebten 2019 rund 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen.

Der Anteil der schwerbehinderten Menschen an der gesamten Bevölkerung in Deutschland betrug damit 9,5 %. Davon waren 50,4 % Männer und 49,6 % waren Frauen. Als schwerbehindert gelten Personen, denen die Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt sowie einen gültigen Ausweis ausgehändigt haben. [1]

In Artikel 3, Absatz 3 des deutschen Grundgesetzes steht, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. [2]

In Deutschland hat jeder Mensch das Recht dabei zu sein - egal ob jung oder alt, behindert oder nicht behindert. Jeder darf und soll am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Dies setzt voraus, dass die Inklusion von behinderten Menschen in der Gesellschaft gelingt.

Inklusion bedeutet nicht, bestimmten Menschen oder Gruppen Vorteile oder besondere Leistungen einzuräumen. Vielmehr bedeutet es, dass jeder an unserer Gesellschaft teilnehmen kann und jeder etwas davon hat, wenn Inklusion weiter vorangebracht wird. Durch Inklusion haben alle gleichermaßen die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

In einer inklusiven Gesellschaft wird keiner außen vor gelassen. Nur weil jemand nicht ins „Raster“ passt, heißt das nicht, dass er nicht ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft sein kann. Im Gegenteil: Verschiedenheit ist in einer inklusiven Welt ganz normal und sogar eine Bereicherung. Erst wenn jeder Mensch so akzeptiert wird wie er ist und die Abweichung vom Standard nicht mehr als Schwäche, sondern als potenzielle Stärke verstanden wird, können wir von Inklusion sprechen – von einer bunten Gesellschaft ohne Vorurteile, in der wir verschieden sein dürfen.

Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir mit arbeiten. Und genau in diesem Bereich ist von Inklusion noch recht wenig zu sehen. Die meisten Menschen mit einer Behinderung sind auf dem zweiten Arbeitsmarkt beschäftigt. Anders als der reguläre, erste Arbeitsmarkt besteht der sogenannte zweite Arbeitsmarkt aus Arbeitsplätzen, die mithilfe von Förderungen aus öffentlichen Hand geschaffen werden. Sein wichtigstes Ziel ist es, vom allgemeinen Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen beim Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt zu unterstützen. Diese werden in der Regel von gemeinnützigen ArbeitgeberInnen, wie Vereinen oder gemeindenahen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Die sozialen Unternehmen helfen betroffenen Menschen mit Schulden, Suchterkrankung, familiäre Schwierigkeiten etc. [3] In diese Sparte fallen auch Menschen mit einer Beeinträchtigung. Viele Personen stehen nicht zu ihrer Beeinträchtigung, da es in der Gesellschaft immer noch nicht vollständig akzeptiert wird „anders” zu sein. „Die größten Hindernisse sind die in den Köpfen” Ist die Überschrift eines Artikels des Handelsblattes. Hürden und Vorurteile müssen abgeschafft werden [4].

Problemstellung

Egal ob in der Gesellschaft oder bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, Menschen mit Behinderung sind ständig mit Vorurteilen konfrontiert.

So divers die Gründe der Behinderung sein können, so divers sind auch die Vorurteile oder die Ausgrenzung. Und obwohl Inklusion im Grundgesetzt verankert ist, ist unsere Gesellschaft und der Arbeitsmarkt noch weit davon entfernt. Hier sieht die Situation so aus:

Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeiter*innen sind gesetzlich verpflichtet, auf wenigstens fünf Prozent ihrer Stellen Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. (§ 154 Absatz 1 SGB IX) Nur weniger als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland erfüllen diese Quote, sie zahlen lieber eine Ausgleichsabgabe.[5] Auch zehn Jahre nach Ratifizierung der UN-Behindertenrechtkonvention ist in Deutschland von einem inklusiven Arbeitsmarkt und der Verwirklichung des Rechts auf Arbeit und Beschäftigung nicht die Rede. Rund 300.000 Menschen in Deutschland arbeiten in Werkstätten für behinderte Menschen (zweiter Arbeitsmarkt). Durch die geringen Chancen auf den Eintritt in den allgemeinen Arbeitsmarkt (erster Arbeitsmarkt) mit 0,2 bis 0,3 Prozent und einem durchschnittlichen Stundenlohn von 1,30 Euro, ist die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben sehr gering. [6,7,8]

Um zu sehen, wo eine Kommunikationsstrategie ansetzen könnte, wurde zunächst ein Blick darauf geworfen, wo die Ursachen des Problems liegen könnten. Dabei ist sowohl die gesellschaftliche Seite, als auch die politische und bürokratische Seite zu berücksichtigen.

Auf der gesellschaftlichen Seite (hier werden sowohl Privatpersonen, als auch Unternehmen eingeschlossen, da es sich vor allem um das Mindset handelt, das sich ändern muss) können folgende Punkte identifiziert werden:

  • Im alltäglichen Leben gibt es kaum Berührungspunkte zwischen Menschen mit und ohne Behinderung
  • Es findet wenig bis gar keine Aufklärung zu diesem Thema statt
  • Menschen mit Behinderung werden in der Gesellschaft pauschalisiert
  • Es herrschen Vorurteile im alltäglichen Leben und auf dem Arbeitsmarkt
  • Inklusion wird als Mehraufwand gesehen, beispielsweise aus Sorge eine Person dauerhaft betreuen zu müssen
  • Bevor auf das Können und die Talente geschaut wird, wird zuerst auf die Defizite geachtet

Auf der Seite Politik und Bürokratie können folgende Punkte identifiziert werden:

  • Arbeitnehmerrechte werden nicht transparent genug kommuniziert und schrecken Unternehmen davor ab Menschen mit Behinderung einzustellen
  • Ein großer bürokratischer Aufwand erschwert den Einstellungsprozesse
  • Aufgrund der bürokratischen Prozesse und potenzieller Betreuung wird ein Mehraufwand und kein Mehrwert gesehen
  • Barrierefreie Unternehmensstrukturen müssen erst geschaffen werden
  • Die mindere Bezahlung von Menschen mit Behinderung auf dem zweiten Arbeitsmarkt wird nicht von der Politik behandelt

Um das Problem langfristig und nachhaltig aufzuarbeiten, ist es wichtig beide Seiten (Politik und Gesellschaft) anzugehen. Jedoch sehen wir mit unserer Kommunikationsstrategie vor allem das Potenzial, bei den gesellschaftlichen Problemen anzusetzen.

Fragestellung

Wie können wir die Hürden in der Gesellschaft abbauen und langfristig mehr Menschen mit Behinderung vom zweiten in den ersten Arbeitsmarkt bringen?

Benchmarks

Um uns einen Überblick zu verschaffen, wie sich andere Initiativen für mehr Inklusion starkmachen, haben wir uns unterschiedliche Kampagnen und Plakatreihen angeschaut.

Uns ist sofort aufgefallen, dass auf den meisten Plakaten das Stereotyp von Menschen mit Behinderung abgebildet ist. Das beinhaltet Menschen mit Down-Syndrom, Menschen die in einem Rollstuhl sitzen oder Menschen ohne Arme. Die “typischen” Klischeebilder von Menschen mit Behinderung. Dass aber oftmals eine Schwerbehinderung überhaupt nicht sichtbar ist, wird außen vor gelassen. Aufgrund dessen, war es für uns klar, dass wir in unserer Kampagne wenige, bis gar keine Menschen mit Behinderung abbilden wollen, da wir darüber aufklären und nicht mit dem Finger darauf zeigen wollen.

Problemanalyse

Um herauszufinden, wo wir mit unserer Strategie ansetzen müssen, haben wir eine ausführliche Problemanalyse durchgeführt.

SMART

Um konkrete Ziele zu formulieren, haben wir ein Problem, das wir mit unserer Aktion erreichen wollen, in die fünf Bereiche der SMART Analyse unterteilt.