Wie kann eine Inanspruchnahme psychotherapeutischer Behandlungen für Arbeitnehmer:innen, besonders für Führungskräfte, normalisiert werden?


Kommunikationsstrategien (B)

SG2


Supervision
Natalie Kohler

Ausgangssituation

“Rund zehn Prozent der Fehltage bei den Berufstätigen gehen auf Erkrankungen der Psyche zurück.”

(Bundesgesundheitsministerium, 2015)

Die Thematik der psychischen Gesundheit darf kein Tabuthema mehr sein. Die Zahl der Erkrankten hat in den letzten Jahren zugenommen, 2018 wurden die volkswirtschaftlichen Kosten durch Fehltage auf rund 13 Milliarden Euro geschätzt. Gerade die Corona-Pandemie hat bei vielen eine enorme psychische Belastung hervorgerufen, die psychologischen Folgen werden sich noch zeigen (vgl. Tagesschau, 2020). Die Thematik der psychischen Erkrankungen ist dadurch wieder mehr in den Fokus der Allgemeinheit geraten.

Während sozialversicherungspflichtige Personen schon stigmatisiert werden, wenn sie sich Hilfe bei ihren psychischen Erkrankungen holen, ist dies bei Führungskräften noch einmal verstärkt. Wird es bei Führungskräften auffällig, dass sie berufsbedingt psychosomatische Symptome entwickeln, werden diese verstärkt stigmatisiert (vgl. POLAVIS, 2019).

Es gibt wenige Studien zur psychischen Belastung von Führungskräften. Eine Studie der SRH Hochschule Heidelberg unter Prof. Dr. Zimber hat jedoch herausgefunden, dass die hohe Belastung von Mitarbeiter:innen in Führungspersonen zu psychischen Erkrankungen führt. Die Führungskräfte waren überdurchschnittlich zeitlich engagiert, bekamen dafür aber wenig Anerkennung (vgl. Reflect, 2016). Um gut mit psychischen Erkrankungen umgehen zu können, spielt auch die Gesundheitskultur im Unternehmen eine große Rolle. Gibt es die Möglichkeit über psychische Probleme zu reden, so ist die Chance für Führungskräfte die Chance höher, diese auch gut zu bewältigen (vgl. Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, 2016).

Oftmals ist aber gerade die psychische Gesundheit bei Führungskräften in Betrieben ein großes Tabuthema (vgl. POLAVIS, 26.04.2021).

“Immer noch gilt in Managerkreisen: Im Puff darf man sich erwischen lassen, nur nicht beim Therapeuten.”

(Schießl, 2020)

Viele Führungskräfte suchen also heimlich und privat professionelle Hilfe auf, die Arbeitgeber:innen sollen davon nichts erfahren (vgl. Schießl, 2020). “Viele zeigen Stresssymptome, wie Bluthochdruck, Stimmungsschwankungen oder Schlafstörungen. Aber psychisch krank sind immer nur die anderen” (Schießl, 2020).

Gerade eine gute Führung wäre allerdings auch bedeutsam für das mentale Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Beschäftigten. Nur durch eine psychische Stabilität der Führungskräfte können diese überhaupt ihrer Fürsorgepflicht und ihren Führungsaufgaben nachkommen und ein Vorbild sein – auch in gesundheitlicher Perspektive (vgl. Oster, 2016).

Der Führungsstil beeinflusst die Gesundheit der Mitarbeitenden. Der häufigste, positive Ansatz ist die transformationale Führung. Durch ein fachliches und moralisches Vorbildverhalten können Vertrauen und Respekt gewonnen, Mitarbeiter:innen motiviert, inspiriert, zu innovativem Denken angeregt und individuelle Förderung angeboten werden. Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen transformationaler Führung und einer guten psychischen Gesundheit, sowie ein Ausbleiben von Stresserleben und Burnout (vgl. Badura, B. et al., 2011, S. x).

Führungskräfte sind also ein Vorbild für den Umgang mit eigenen Belastungen, Ressourcen und der eigenen Gesundheit (vgl. (Badura, B. et al., 2011, S. vii). Neben der Gesundheit der Mitarbeitenden ist somit auch die Gesundheit der Führungskräfte zu betrachten, “[…] denn erschöpfte oder kranke Führungskräfte bedeuten für ein Unternehmen ebenso ein Risiko wie erschöpfte und erkrankte Mitarbeiter.” (Badura, B. et al., 2011, S. vii)

Es wird also besonders deutlich, wie wichtig die psychische Gesundheit von Führungskräften ist. Nicht nur für sie individuell, sondern auch für die Mitarbeitenden.