Prozess

Herleitung

Thinking Tools 2035 

Das Projekt entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Strategische Gestaltung an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd und untersucht spekulativ, wie sich STAEDTLER als traditionelle Marke im Jahr 2035 strategisch weiterentwickeln könnte.

Grundlage der methodischen Arbeit war das Buch Zukünfte gestalten von Eileen Mandir und Benedikt Groß, das im begleitenden Kurs als methodischer Rahmen diente. Es liefert die Struktur, mit der wir zwischen Trendbeobachtung, Szenarienbildung und strategischer Ableitung navigiert haben, und prägt damit den Aufbau dieses Kapitels.

Workshop

Zu Beginn des Projekts haben wir in einem Designsprint, mittels STEEP, Future Wheel und 2x2-Methoden, erste Konzepte entwickelt, die wir in einem gemeinsamen Workshoptag bei STAEDTLER vorstellen durften. Die Konzepte dienten hierbei als “Sacraficial Concepts”. Konzepte deren Ziel es ist, Grenzen zu testen und Feedback einzuholen. Ergänzt wurde der Termin durch eine Führung durch die Produktion. Der Einblick in die Fabrik machte greifbar, wie tief handwerkliche Präzision und Sorgfalt in der Marke verankert sind.

Für die Übersetzung der gewonnenen Erkenntnisse in bearbeitbare gestalterische Fragestellungen haben wir verschiedene HMW-Fragen formuliert. Diese erlauben es, aus abstrakten Herausforderungen konkrete, aber offen formulierte Handlungsfragen abzuleiten und damit den Übergang von der Analyse in die Konzeption vorzubereiten. Die finale HMW-Frage lautete:

Recherche

Zu Beginn des Projekts wurde zunächst eine Recherche zum Unternehmen STAEDTLER, dem bestehenden Markt sowie zur Rolle von Kreativität in einer digitalisierten Gesellschaft durchgeführt. Ziel war ein klares Verständnis der aktuellen Positionierung, gesellschaftlicher Entwicklungen und daraus entstehender Bedürfnisse, sowohl auf Nutzer- als auch auf Unternehmensseite. Die folgende Zusammenfassung fokussiert die Aspekte, die für die weitere konzeptionelle Arbeit entscheidend waren.

STAEDTLER

STAEDTLER hat ein breites Sortiment, an Schreib-, Zeichen- und Kreativwaren und adressiert damit eine heterogene Zielgruppe: von Schüler:innen und Studierenden über professionelle Anwender:innen in technischen und künstlerischen Berufen bis hin zu kreativen Hobbyanwender:innen.

Mit den Produkten Noris digital und Mars Lumograph Digital hat STAEDTLER das Sortiment bereits auf hybride Anwendungskontexte erweitert. Damit wurde bereits einen Schritt in Richtung Digitalisierung unternommen. Parallel dazu erweitert die Marke ihr Portfolio um Service- und Content-Angebote wie Tutorials, Zeichen- und Kalligrafiekurse oder den Mandala-Creator und schafft so eine zusätzliche Angebotsebene über das reine Produkt hinaus.

Megatrends

Aus der Megatrendmap des Zukunftsinstituts lassen sich Trends und daraus entstehende Entwicklungen ablesen. Einige dieser Trends haben bereits heute, aber können auch in Zukunft noch einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Kreativbranche haben.

1. Connectivity: Im Bereich Connectivity gewinnen Themen wie Human Augmentation, Extended Reality, Hyperpersonalisierung und Trust Technologies an Bedeutung und beschreiben die zunehmende Vernetzung von Mensch und Technologie.
2. Future of Work: Der Megatrend Future of Work beschreibt die zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Leben, KI-gestützte Arbeitsprozesse, neue digitale Kompetenzen sowie veränderte Formen von Führung und Zusammenarbeit.
3. Gesundheit: Im Bereich Gesundheit stehen vor allem Mental Health, Corporate Health, Achtsamkeit, Detoxing und Selbstoptimierung im Fokus. Sie zeigen das wachsende Bedürfnis nach Prävention, Ausgleich und bewusster Lebensgestaltung.
4. Identitätsdynamik: Die Identitätsdynamik zeigt sich in einer stärkeren Wir-Kultur, mehr Inklusion und Diversität sowie einem wachsenden Fokus auf Selbstwirksamkeit, Privatsphäre und Selbstoptimierung. Diese Auswahl bildet den relevanten Zukunftsrahmen für die weitere strategische Einordnung des Projekts.

Aus der Gesamtschau der Megatrends wird ein zentrales Spannungsfeld deutlich: Während Digitalisierung, KI und neue Arbeitsformen den Alltag zunehmend beschleunigen und fragmentieren, wächst gleichzeitig das Bedürfnis nach Entlastung, mentaler Stabilität und analogen Ausgleichsformen. Für Produkte und Marken bedeutet das eine Verschiebung: Schreib- und Kreativwerkzeuge werden nicht mehr nur als Arbeitsmittel verstanden, sondern als Instrumente zur mentalen Strukturierung und bewussten Selbstführung. Für STAEDTLER entsteht daraus die strategische Notwendigkeit, die eigene analoge DNA in diese neuen Kontexte zu übersetzen und sich jenseits des klassischen PBS-Marktes (Papier, Bürobedarf und Schreibwaren) in Richtung mentaler und kreativer Lebensqualität weiterzuentwickeln.

Kreativität

Trotz oder gerade wegen der fortschreitenden Digitalisierung zeigt sich, dass menschliche Kreativität und analoge Denkprozesse zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Schreiben und Zeichnen mit der Hand fördert kognitive Prozesse, die durch reine Tastatur- oder Bildschirmarbeit nicht in gleichem Maße aktiviert werden. Handschriftliches Festhalten von Gedanken unterstützt Gedächtnisleistung, Konzentration und Reflexion und wird damit zu einer relevanten Kulturtechnik in einer Umgebung, in der digitale Systeme zunehmend Denk- und Organisationsaufgaben übernehmen. (ARD Tagesschau, 2025) (BR, 2025).

Parallel dazu ist eine gesellschaftliche Rückbesinnung auf analoge, achtsame Tätigkeiten zu beobachten. Journaling, Bullet Journals, Adult Coloring und ähnliche Praktiken haben sich in den letzten Jahren als Formate etabliert, die Kreativität mit mentaler Entlastung verbinden. Sie erfüllen ein Bedürfnis nach ruhigen, selbstbestimmten Momenten im Alltag und stehen damit in direktem Gegensatz zu den beschleunigenden Kräften der digitalen Arbeitswelt.

Für die weitere Konzeptarbeit ergibt sich daraus die Grundannahme, dass Kreativität im Jahr 2035 nicht nur ein ästhetisches oder produktives Phänomen ist, sondern eine Ressource mentaler Gesundheit und damit ein für STAEDTLER strategisch relevantes Feld.