03 Recherche - soziale Nachhaltigkeit
Mental Health im Bauhandwerk
In einem ersten Themencluster haben wir die mentale Gesundheit im Bauhandwerk untersucht. Psychische Gesundheit erweist sich im Bauhandwerk als strukturelles Problem mit hoher Verbreitung und gravierenden Folgen. Ein Großteil der Beschäftigten erlebt im Laufe des Berufslebens Stress, Angst, Depressionen und teils Suizidgedanken, während Suizidraten deutlich über dem Durchschnitt anderer Branchen liegen. Verstärkt wird dies durch eine männlich geprägte Macho-Kultur, in der psychische Probleme als Schwäche gelten und Hilfesuche mit Scham, Stigma und Angst vor Jobverlust verbunden ist. Die Folge sind verschleppte Erkrankungen, erhöhter Substanzkonsum, mehr Unfälle sowie spürbare Produktivitäts- und Qualitätsverluste mit erheblichen menschlichen und wirtschaftlichen Kosten.
Auf Basis dieser Erkenntnisse haben wir erste Gestaltungsansätze entlang verschiedener Ebenen entwickelt. Dazu zählen Ideen zur Stärkung von Teamgefühl und gegenseitiger Unterstützung, ein kultureller Wandel weg von der Macho-Gesellschaft im Bau, Zonen für Pausen und Rückzug auf der Baustelle, sowie Signale auf Tool‑Ebene, die Überlastung und gefährliche Routinen frühzeitig sichtbar machen. Ergänzend dachten wir über Umgebungsfaktoren nach, die mentale Erschöpfung begünstigen, und über eine frühzeitigere Einbindung der Handwerker in Planungsentscheidungen, um Belastungen strukturell zu reduzieren.

Zukunftsbild 2035 (soziale Zukunft)
Im sozialen Zukunftsbild 2035 ist mentale Gesundheit fester Bestandteil von Arbeitsschutz und Unternehmenskultur im Bauhandwerk. Betriebe verstehen psychische Stabilität nicht als Privatproblem, sondern als Voraussetzung für Qualität, Sicherheit und langfristige Leistungsfähigkeit ihrer Teams.
Digitale Tools und Daten helfen dabei, Belastungen früher zu erkennen, ohne einzelne Personen zu stigmatisieren. Statt auf nachträgliche Krankmeldungen zu reagieren, ermöglichen kontinuierliche Beobachtung von Arbeitsrhythmen, Fehlern und Pausen sowie offene Gesprächsformate eine präventive Fürsorge.
Über 2035 hinaus haben wir in ersten Skizzen auch mögliche Entwicklungen bis 2050 betrachtet. Wir sind der Meinung, dass Rollenbilder, Arbeitskulturen und regulatorische Rahmen in dieser längeren Perspektive voraussichtlich noch deutlich stärker verändern werden.

Entscheidung gegen Soziale Nachhaltigkeit
Obwohl wir mentale Gesundheit und soziale Nachhaltigkeit im Bauhandwerk als einen sehr großen Hebel mit hoher Relevanz für die Zukunft der Branche sehen, haben wir uns im Projektverlauf gegen einen primären Fokus auf dieses Themenfeld entschieden.
Ausschlaggebend war, dass Festool sich in der Kooperation klar als Akteur positioniert, der vor allem ökologische Nachhaltigkeit strategisch vorantreiben möchte.
Unsere weitere Arbeit richtet sich deshalb darauf aus, mit Daten aus Powertools und Bauprozessen genau diesen ökologischen Schwerpunkt zu unterstützen, auch wenn das soziale Zukunftsbild für uns weiterhin eine wichtige langfristige Perspektive bleibt.