Konzept

Phasen 1 bis 3

Um das Konzept greifbarer zu machen, wurde es in drei zeitlich aufeinander aufbauende Phasen unterteilt. Diese beschreiben die schrittweise Entwicklung des Systems von der nahen Zukunft bis in eine weiter entfernte Perspektive.


In Phase 1

liegt der Fokus auf den grundlegenden Vorbereitungen und Voraussetzungen, die notwendig sind, um das System überhaupt realisieren zu können. Dazu zählen technologische, organisatorische und nachhaltige Grundlagen.

Phase 1


Phase 2

beschreibt die eigentliche Implementierung und Markteinführung des Systems. Hier wird das Konzept konkret, anwendbar und erstmals im Arbeitsalltag von Handwerksbetrieben eingesetzt.

Phase 2


Phase 3

richtet den Blick in die weitere Zukunft und zeigt, wie sich das System auf Basis der zuvor geschaffenen Grundlagen weiterentwickeln und ausbauen kann.

Phase 3

Im Rahmen dieses Projekts haben wir uns bewusst auf Phase 2 konzentriert. Ziel war es, ein realistisch umsetzbares System zu entwickeln und gleichzeitig aufzuzeigen, welche Grundlagen Festool in naher Zukunft schaffen muss, um langfristig mehr Nachhaltigkeit im Handwerk zu ermöglichen. Dieser Aspekt bildete einen zentralen Schwerpunkt unserer Arbeit.

System

Zu Beginn besichtigt der Geschäftsführer wie gewohnt die anstehende Baustelle. Dafür nimmt er den Systainer mit dem MT CS 360 und dem Tablet einfach und bequem mit zur Baustelle. Vor Ort stellt er das MT CS 360 auf. Dieses arbeitet autonom, erkundet selbstständig alle Bereiche des Hauses und kann auch Treppen überwinden. Während das Messtool die Baustelle erfasst, legt der Besichtiger entspannt das Projekt in der Software auf dem Tablet an und bespricht gemeinsam mit dem Bauherren die geplanten Maßnahmen.

Über eine einfache Spracheingabe erkennt die KI automatisch, welche Aufgaben umgesetzt werden sollen, und fasst diese strukturiert zusammen. Parallel misst das Messtool die Räume, erstellt einen detaillierten Grundriss und berechnet, welche Materialien und Werkzeuge in welcher Menge benötigt werden.

System

Auf dieser Basis wird automatisch eine Packliste erstellt. Diese greift ausschließlich auf die Material- und Werkzeugdatenbank des Betriebs zu, sodass nur Produkte vorgeschlagen werden, die tatsächlich vorhanden sind. Erkennt das System nachhaltigere Alternativen innerhalb des Betriebs, werden diese zusätzlich empfohlen. Der Geschäftsführer entscheidet per Klick, welche Materialien übernommen werden.

Währenddessen erfasst das MT CS 360 alle relevanten Daten und integriert sie direkt ins Interface. Es entstehen Objektfotos sowie Hinweise auf verborgene Schäden, etwa ein erkannter Schimmelbefall hinter der Tapete, der mit bloßem Auge nicht sichtbar gewesen wäre.

Nach der Besichtigung wird das System wieder im Systainer verstaut und mit in den Betrieb genommen. Steht die Baustelle an, kann der zuständige Handwerker im Betrieb über das Tablet eine übersichtliche Projektansicht öffnen. Dort sind Lage der Baustelle, Aufgaben und ein vereinfachter Grundriss mit allen wichtigen Informationen sichtbar. Kritische Hinweise, wie der Schimmelbefall, sind direkt im Grundriss markiert.

Bei Bedarf lässt sich eine Detailansicht öffnen, die alle Maße, Objektfotos und einen integrierten Materialrechner enthält. Mit einem Klick gelangt der Handwerker zur Packliste, in der alle benötigten Materialien und Werkzeuge in sinnvoller Reihenfolge aufgeführt sind – inklusive Produktbildern zur eindeutigen Identifikation.

System

So werden alle Materialien, Werkzeuge und Zusatzprodukte vollständig eingepackt, nichts wird vergessen, und die Baustelle kann effizient, vorbereitet und ohne unnötige Nachfahrten umgesetzt werden.

Nutzerdaten

Durch den Aufbau der Werkzeug- und Materialdatenbank werden – mit ausdrücklicher Einwilligung der Betriebe – anonymisierte Nutzungsdaten erfasst. Festool erhält dadurch wertvolle Einblicke in den realen Einsatz der Werkzeuge auf Baustellen. Diese Daten ermöglichen es, Werkzeuge gezielt weiterzuentwickeln, ihre Langlebigkeit zu erhöhen, Wartungszyklen zu optimieren und den Ressourcenverbrauch weiter zu reduzieren. Auf diese Weise trägt das System nicht nur zur Effizienz auf der Baustelle bei, sondern unterstützt Festool dabei, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte kontinuierlich zu verbessern.

Zugriff auf Nutzerdaten
Messtool MT CS 360

Das Messtool MT CS 360 dient als zentrales Messgerät auf der Baustelle, um alle relevanten Daten zuverlässig zu erfassen. Verschiedene integrierte Sensoren ermöglichen präzise Messungen, darunter ein Feuchtigkeitssensor, der Schimmelbefall hinter Tapeten erkennen kann – Schäden, die mit bloßem Auge nicht sichtbar wären. Gestalterisch ist das Messtool so konzipiert, dass es sich nahtlos in die Produktlinie von Festool einfügt. Gleichzeitig ist es robust genug für den Baustellenalltag und so konstruiert, dass bei Kollisionen keine Beschädigungen an Wänden oder Oberflächen entstehen.

Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist der Nachhaltigkeitsaspekt. Das Messtool besteht aus marmoriertem PCR-Recyclingkunststoff, der Nachhaltigkeit bewusst sichtbar macht. Recyclingkunststoffe und biobasierte Werkstoffe gelten im Jahr 2035 nicht mehr als Qualitätsverlust, sondern als robust, langlebig und technologisch hochwertig. Sichtbare Recyclingstrukturen stehen für Innovation und Verantwortung – genau das spiegelt das Design des Messtools wider.

Der verwendete Kunststoff ist stoßfest, UV-beständig, temperaturstabil und feuchtigkeitsresistent und damit perfekt für den Einsatz auf der Baustelle geeignet. Gleichzeitig folgt das Messtool einem Closed-Loop-Design: Am Ende seines Lebenszyklus wird es selbst wieder zum Rohstoff.

Festool steht für Langlebigkeit – und der Einsatz von PCR-Kunststoff unterstützt genau diesen Anspruch. Der dunkle, marmorierte Blau-Ton wirkt hochwertig, technisch und ehrlich und macht das Messtool zu einem Werkzeug, das nicht nur misst, sondern Haltung zeigt.

Ein Werkzeug, das selbst Teil des Kreislaufs ist.

MT CS 360 3D
MT CS 360 Features
Nutzerfeedback durch Lichtleiste
MT CS 360 3D Aufklappen
Interface

Das Interface wurde kontinuierlich gemeinsam mit Maler:innen getestet und weiterentwickelt. So konnten wir sicherstellen, dass ausschließlich relevante Informationen dargestellt werden – klar, verständlich und ohne unnötige Inhalte. Aufbau und Struktur sind bewusst einfach und selbsterklärend gestaltet. Die wichtigsten Informationen sind schnell erreichbar und genau so aufbereitet, wie sie im Arbeitsalltag von Maler:innen benötigt werden. Grundlage für die Gestaltung war ein realistischer Use Case: ein Einfamilienhaus mit zwei Stockwerken und ca. 140 m² Wohnfläche.


Auftragsübersicht

In der Auftragsübersicht sind alle relevanten Informationen auf einen Blick sichtbar: die Adresse der Baustelle, der definierte Aufgabenumfang sowie der Grundriss. Dieser basiert auf den Messdaten des MT CS 360 und wird bereits bei der Besichtigung automatisch aufbereitet.

Auftragsübersicht


Details

Der Grundriss lässt sich bei Bedarf vergrößern und detaillierter anzeigen. In der erweiterten Ansicht sind sämtliche Lasermessdaten des MT CS 360 sowie Objektfotos der Baustelle einsehbar. So weiß der Handwerker bereits vor Arbeitsbeginn genau, was ihn vor Ort erwartet.

Grundriss Details


Werkzeug- und Materialliste


Über den Navigationspunkt Packen gelangt man zur automatisch erstellten Werkzeug- und Materialliste. Die KI berechnet passende Werkzeuge, Materialien, Stückzahlen und deren Verfügbarkeit ausschließlich auf Basis der betriebseigenen Material- und Werkzeugdatenbank. So werden nur Produkte vorgeschlagen, die der Betrieb tatsächlich besitzt. Während der Besichtigung werden diese Vorschläge zunächst dem Geschäftsführer angezeigt und – inklusive nachhaltiger Alternativen innerhalb des Bestands – freigegeben. Erst danach wird die finale Liste für die Handwerker sichtbar. Dadurch können Materialien gezielt geplant, vollständig gepackt und Versorgungslücken vermieden werden. Zusätzlich sind alle Produkte nach ihrem Nachhaltigkeitsgrad kategorisiert und mit realen Produktbildern versehen, um eine schnelle Identifikation zu ermöglichen.

Werkzeug- und Materialliste


Nachhaltigkeit

Der Nachhaltigkeitsbereich visualisiert das CO₂-Budget der Baustelle. Er zeigt, wie viel CO₂ bereits verbraucht wurde, wodurch es entstanden ist und wie viel CO₂ gleichzeitig gebunden werden konnte. Daraus ergibt sich eine transparente Netto-Bilanz. Ergänzend wird ein CO₂-Score angezeigt, der die Effizienz des Betriebs bewertet. Materialien mit besonders hohem Einsparpotenzial sowie weitere Optimierungsempfehlungen sind ebenfalls klar dargestellt.

Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts und wird auf mehreren Ebenen umgesetzt. Das Messtool MT CS 360 ist selbst nachhaltig gestaltet und unterstützt Handwerksbetriebe dabei, das CO₂-Budget einzelner Baustellen aktiv zu erfassen und einzuhalten. Im Szenario für das Jahr 2035, in dem feste CO₂-Budgets pro Baustelle gelten, wird Transparenz über Emissionen für Bauherren und Betriebe zunehmend entscheidend.

Budgetberechnung für eine Baustelle

Das Interface fördert gezielt den Einsatz nachhaltiger Materialien und schlägt ergänzend sinnvolle Dämm- und Sanierungsmaßnahmen vor, um die Langlebigkeit handwerklicher Arbeit zu erhöhen. Die Materialien werden demnach in drei Kategorien unterteilt: Nachhaltig, Verbesserungsfähig und Kritisch.

Kategorien der Nachhaltigkeit von Materialien

Durch präzise Planung werden Material- und Werkzeugengpässe vermieden, wodurch Zeitverluste, Leerzeiten und zusätzliche Fahrten entfallen. Vergessene Materialien oder spät erkannte Schäden werden reduziert, was Spritkosten und vermeidbare CO₂-Emissionen senkt.

Zusätzlich ermöglicht die Werkzeugdatenbank – mit Einwilligung der Betriebe – die Erfassung von Nutzungsdaten. Diese bilden die Grundlage für die gezielte Weiterentwicklung langlebiger Werkzeuge und die Erschließung weiterer Nachhaltigkeitspotenziale auf Produktebene.

Dieser Nachhaltigkeitsansatz schafft Mehrwert für alle Beteiligten entlang des gesamten Baustellenprozesses.


Handwerksbetriebe

  • Vermeidung von Material- und Werkzeugengpässen
  • Weniger Nachfahrten, Zeitverluste und Kosten
  • Planbares CO₂-Budget pro Baustelle
  • Bessere Vorbereitung und effizientere Abläufe


Bauherren

  • Transparente CO₂-Bilanz der Baustelle
  • Weniger Verzögerungen und Nacharbeiten
  • Höhere Qualität durch bessere Planung
  • Nachhaltige Entscheidungen nachvollziehbar


Festool

  • Reale Nutzungsdaten aus dem Baustellenalltag
  • Datengestützte Weiterentwicklung von Werkzeugen
  • Stärkere Kundenbindung durch Systemlösung
  • Positionierung als Standard für nachhaltiges Handwerk


Vorteile bei Unterschreitung des CO₂-Budgets

Bleibt eine Baustelle unter dem festgelegten CO₂-Budget, entstehen für alle Beteiligten direkte Vorteile. Bauherren profitieren von einem CO₂-Bonus, etwa in Form von steuerlichen Vorteilen, Förderungen oder einem zertifizierten Nachhaltigkeitsnachweis.

Für Handwerksbetriebe wird jeder Auftrag mit einem CO₂-Effizienzscore bewertet, vergleichbar mit bekannten Energieeffizienzklassen. Wird das Budget unterschritten, steigt dieser Score und der Betrieb wird als CO₂-effizient gelistet. Dadurch verbessern sich die Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen und größeren Bauprojekten.

Gleichzeitig entsteht ein positives, messbares Nachhaltigkeitsprofil für Betrieb und Bauherr, das Qualität, gute Planung und verantwortungsvollen Ressourceneinsatz sichtbar macht.

Vorteile für den Betrieb
Vorteile für Maler
Vorteile der Bauherrin
Ergänzung

Sollten sich auf der Baustelle dennoch kurzfristig Anforderungen ändern, bietet das System auch hierfür eine Lösung. Über das Interface kann das Festool Mobil mit nur einem Klick kontaktiert werden. Benötigte Werkzeuge oder spezielle Materialien werden gezielt und bedarfsgerecht direkt zur Baustelle geliefert.

Im Gegensatz zu klassischen Nachfahrten erfolgt die Lieferung gebündelt und optimiert, sodass unnötige Fahrten vermieden werden. Das Festool Mobil agiert dabei als mobiler Werkzeug- und Materialhub, der mehrere Baustellen intelligent versorgt und so Transportwege, Zeitverlust und CO₂-Emissionen reduziert.

Auf diese Weise bleibt die Baustelle flexibel, ohne die Vorteile der sorgfältigen Vorplanung zu verlieren. Fehlende Werkzeuge führen nicht mehr zu Stillstand oder improvisierten Lösungen, sondern werden schnell und effizient ergänzt – vergleichbar mit einem On-Demand-System, jedoch angepasst an die Anforderungen des Handwerks.

So verbindet das Konzept Flexibilität mit Nachhaltigkeit und stellt sicher, dass auch unvorhergesehene Änderungen ressourcenschonend und zeiteffizient gelöst werden können.

Festoolmobil