Herleitung
Workshop
Teil des Kurses war es, einen Workshop mit Festool zu organisieren und zu leiten. Dabei wurden verschiedene Design-Futuring-Methoden zunächst in der ersten Vorlesung vorgestellt, vertieft und später im Workshop mit Festool erneut angewendet. Der Workshop war darauf ausgerichtet, zentrale Fragen rund um das Handwerk und zukünftige Entwicklungen strukturiert zu bearbeiten. Die angewendeten Methoden stammen aus dem Buch „Zukünfte gestalten“ von Prof. Benedikt Groß.

Design Futuring Methoden
Der Workshop startete mit dem Polak Game als Warm-up. Die Teilnehmenden positionierten sich auf zwei Achsen zu zwei Fragen: ob die Zukunft eher positiv oder negativ eingeschätzt wird und wie groß der eigene Einfluss auf das Umfeld ist. Insgesamt überwog eine optimistische Einschätzung. Fortschritte etwa in Medizin und Menschenrechten wurden häufig genannt. Aktuelle politische Ereignisse führten jedoch bei einigen zu skeptischen Einschätzungen. Im Anschluss wurde die STEEP-Methode angewendet. Mitgebrachte Kärtchen mit Trends und Signalen wurden den fünf Kategorien zugeordnet und anschließend in der Gruppe diskutiert. Aus der Diskussion entstanden erste Themen, Cluster und Möglichkeitsfelder. Darauf aufbauend wurde in Teams ein Futures Wheel erstellt. Diese Methode ist eine kreative Form der Zukunftsanalyse: Ausgehend von einer zentralen Veränderung werden direkte und indirekte Folgen als radial aufgebautes Ursache-Wirkung-Netzwerk visualisiert. Ausgangspunkt war die Annahme, dass Kreislaufwirtschaft im Jahr 2035 verbindlich sein wird. Daraus wurde ein 2x2-Modell abgeleitet, das vier mögliche Zukunftsszenarien abbildet. Die Szenarien untersuchen unterschiedliche Leasing- und Kaufmodelle, sowohl aus Sicht von Festool als auch aus Perspektive der Kund:innen. Das anschließende „Name-It“ veranschaulicht eine mögliche Zukunft, in der Werkzeuge gemeinschaftlich genutzt und geteilt werden: der öffentliche Toolverkehr.
Durch die Kombination aus methodischer Arbeit und direktem Praxisbezug konnten Annahmen überprüft, neue Perspektiven gewonnen und konkrete Learnings für die weitere Bearbeitung des Themas abgeleitet werden.
Zum Abschluss des Tages bot ein Besuch im Festool-Museum zusätzliche Einblicke in Kundschaft, Markenidentität und Herkunft des Unternehmens. Dies unterstützte zudem die Entwicklung von Szenarien für den weiteren Projektverlauf.

Learnings
Festool sieht eine klare Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung im Handwerk: Handwerkersoftware und digitale Tools werden häufiger genutzt, und Powertools werden zunehmend als Kombination aus Gerät und digitalen Services verstanden (Handwerk 4.0). Gleichzeitig sind die Hürden bei neuen Technologien noch hoch: Akzeptanz entsteht nur, wenn der Mehrwert sofort erkennbar ist; jüngere Zielgruppen sind dabei offener und ein Generationenwechsel in Führungsrollen steht bevor. Ein zentrales Thema ist Reparierbarkeit: Geräte müssen nach Ausfällen möglichst schnell wieder einsatzfähig sein. Außerdem spielt Gesundheit als wichtiger, gesundheitsgetriebener Bedarf eine wachsende Rolle.
Themenfindung
Nach einer ersten breiten Recherche zu Zukünften des Bauhandwerks im Jahr 2035 verlagerte sich der Fokus schrittweise auf das Potenzial autonomer Drohnensysteme. Ausgangspunkt war eine zunächst einfache Idee, nämlich eine Drohne, die über der Baustelle fliegt und Schatten spendet, um Arbeiter:innen vor UV-Strahlung zu schützen. Daraus entwickelte sich die weiterführende Frage, welche Rolle autonome Drohnen grundsätzlich auf zukünftigen Baustellen einnehmen könnten, nicht als isoliertes Gadget, sondern als integraler Bestandteil einer Baustelleninfrastruktur.
In einem nächsten Schritt erfolgte eine gezielte Analyse von Trends und Signalen rund um Drohnen, Digitalisierung und Bauwirtschaft. Praxisprojekte aus Industrie und Bauwesen zeigen bereits heute, dass autonome Drohnen Aufgaben wie Vermessung, Scanning und Inspektionen übernehmen, präzise 3D-Modelle erzeugen und digitale Zwillinge kontinuierlich aktualisieren. Gleichzeitig gewinnt Building Information Modeling zunehmend an Verbindlichkeit, während datengetriebene Bauprozesse auf regelmäßige und objektive Datenerhebung angewiesen sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es realistisch, dass Drohnen bis zum Jahr 2035 deutlich günstiger, leistungsfähiger und stärker in bestehende Software-Ökosysteme integriert sind und sich damit als Standardwerkzeug auf Baustellen etablieren.
Um die langfristigen Auswirkungen dieser Entwicklungen zu verstehen, kamen Design-Futuring-Methoden wie die Causal Layered Analysis und der Future Cone zum Einsatz. Die Causal Layered Analysis machte deutlich, dass auf heutigen Baustellen noch eine geringe Akzeptanz für autonome Technologien besteht und technischer Fortschritt häufig als zusätzlicher Aufwand wahrgenommen wird. In den angenommenen Zukunftsszenarien für das Jahr 2035 verschiebt sich dieses Bild jedoch deutlich, da Drohnen als selbstverständliche Unterstützer verstanden werden, die menschliche Arbeit ergänzen und entlasten. Der Futures Cone half dabei, wünschenswerte von nicht wünschenswerten Entwicklungen zu unterscheiden, etwa zwischen Überwachungsszenarien und Zukünften, in denen Drohnen gezielt zur Erhöhung von Sicherheit, Nachhaltigkeit und Effizienz beitragen.


Aus dieser Perspektive heraus ließen sich zentrale Relevanz- und Problemfelder der zukünftigen Baustelle identifizieren. Dazu zählen steigende Anforderungen an Sicherheit, Arbeitsschutz und Nachhaltigkeit, ein wachsender Dokumentations- und Nachweisdruck im Kontext von BIM, digitalen Zwillingen und Abnahmeprozessen sowie zunehmende Baukosten und wirtschaftliche Risiken durch Fehler und Nacharbeit. Hinzu kommen die wachsende Komplexität von Abläufen und Gewerken, ein massiver Fachkräftemangel, der insbesondere Kontroll- und Dokumentationsaufgaben unter Druck setzt, sowie der Übergang zu datengetriebenen und vernetzten Baustellen. Insgesamt zeigt sich, dass Anforderungen an Überblick, Dokumentation, Sicherheit und Nachhaltigkeit kontinuierlich zunehmen, während verfügbare Zeit, Personal und Ressourcen knapper werden.
In der Synthese dieser Erkenntnisse wurde deutlich, dass vorwiegend wiederkehrende visuelle Aufgaben auf Baustellen ein hohes Potenzial für den Einsatz autonomer Systeme bieten. Drohnen sind in der Lage, regelmäßig Überblick zu schaffen, Zustände zu erfassen und Dokumentationsprozesse zu automatisieren. Vor diesem Hintergrund wurde folgende Zielsetzung formuliert:
Ziel ist es, die Potenziale autonomer Drohnensysteme für Baustellen im Jahr 2035 zu erforschen und ein Ökosystem zu entwickeln, das Dokumentation, Gefahrenüberwachung und ausgewählte Assistenzaufgaben übernimmt, um die Effizienz zu steigern und Menschen dort zu entlasten, wo künftig Zeit, Personal und Überblick fehlen werden.
Mit diesem Arbeitsstand begann die vertiefende Kernrecherche zu Drohnen und Nachhaltigkeit.