Konzeption

Methodische Herleitung

Auf Grundlage einer Stakeholder-Analyse wurden die Rollen im Bauprozess klar strukturiert. Im Fokus stehen Bau- und Projektleiter:innen als zentrale Nutzer:innen des Systems. Weitere Stakeholder, darunter Qualitätsmanagement, Bauunternehmen, Bauherr:innen, Behörden sowie Festool, profitieren indirekt durch höhere Transparenz, verbesserte Sicherheit und belastbare Nachhaltigkeitsnachweise.

Darauf aufbauend wurde mit einem Value Proposition Canvas die Perspektive der Bau- und Projektleiter:innen systematisch erfasst. Zu den zentralen Aufgaben zählen die Prüfung der Bauqualität, die Vermeidung von Fehlern, die Dokumentation des Baufortschritts und die Sicherstellung der Baustellensicherheit. Dem stehen wesentliche Belastungen gegenüber, insbesondere Zeitmangel, manuelle Kontrollen, verspätete Fehlererkennung, lückenhafte oder verstreute Dokumentation sowie hoher Druck durch Kosten, CO₂-Ziele und Haftungsfragen. Als erwartete Mehrwerte wurden vor allem frühzeitige Erkennung, objektive Daten, automatisierte Berichte und spürbare Entlastung deutlich.

Zur Bewertung der Problemrelevanz wurde das Konzept mithilfe des 4U-Frameworks eingeordnet. Das Problem ist dringend, da Fehler, Emissionen, Kosten und Sicherheitsrisiken kontinuierlich entstehen. Es ist unvermeidbar, weil Anforderungen an Qualität, Dokumentation, Sicherheit sowie BIM- und ESG-Nachweise verpflichtend sind. Gleichzeitig ist es unterversorgt, da bestehende Lösungen meist fragmentiert, manuell und nicht kontinuierlich arbeiten. Langfristig ist die Situation nicht tragfähig, da ohne veränderte Arbeitsweisen Nacharbeiten, Überlastung und das Verfehlen von Nachhaltigkeitszielen weiter zunehmen.

Zur Schärfung der übergeordneten Vision wurde der Golden Circle genutzt und die Ausrichtung von OVIS in drei Ebenen verdichtet. OVIS verfolgt das Ziel, vermeidbare Verschwendung, CO₂-Emissionen und strukturelle Überlastung auf Baustellen zu reduzieren, indem Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit nicht erst in der Nacharbeit entstehen, sondern durch frühzeitige Sichtbarkeit von Problemen. Erreicht wird dies durch kontinuierliche, automatisierte Transparenz statt punktueller manueller Kontrollen: Autonome Scan-Drohnen erfassen den Ist-Zustand, das System gleicht ihn mit dem BIM-Modell ab, bewertet Abweichungen und verdichtet die Ergebnisse zu einem klaren Lagebild für die Bauleitung. OVIS ist als integriertes System aus autonomen Scan-Drohnen, passender Infrastruktur und einer BIM-verknüpften Plattform konzipiert, das Qualitäts-, Sicherheits- und Nachhaltigkeitsprozesse auf der Baustelle unterstützt und Entscheidungen datenbasiert absichert.


Ziel von OVIS

Auf Basis dieser Synthese wurde OVIS als integriertes Qualitätsmanagement-System für Baustellen konzipiert. Ziel ist es, zentrale Schwachstellen im heutigen Bauprozess systematisch zu adressieren. Dazu gehört zunächst die frühzeitige Erkennung von Fehlern und Nacharbeit: Falsche Maße, schiefe oder falsch platzierte Bauteile, fehlende oder doppelte Elemente sowie Ausführungsfehler sollen möglichst früh sichtbar werden, bevor sie zu kostenintensiver Nacharbeit sowie zusätzlichem Ressourcen- und CO₂-Verbrauch führen. Gleichzeitig schließt OVIS die bestehende Lücke zwischen geplantem Modell und gebauter Realität, indem der aktuelle Bauzustand kontinuierlich erfasst und automatisiert mit dem BIM-Modell abgeglichen wird. Ein weiterer Fokus liegt auf der Dokumentation: Anstelle zeitintensiver, lückenhafter Prozesse mit einzelnen Fotos, Notizen und fragmentierten Anwendungen erzeugt das System einheitliche, automatisch generierte Fortschritts- und Mängelberichte. Ergänzend dazu adressiert OVIS sicherheitsrelevante Aspekte, indem kritische Bereiche und sich verändernde Situationen auf der Baustelle systematisch erfasst und nachvollziehbar gemacht werden.


System von OVIS

Die autonomen Scan-Drohnen bilden den Kern des Systems. Sie fliegen Innen- und Außenbereiche entlang vordefinierter Routen selbstständig ab, erkennen Hindernisse autonom und erfassen Bild-, 3D- sowie bei Bedarf Thermaldaten des aktuellen Bauzustands. Auf diese Weise entsteht eine kontinuierliche und objektive Datengrundlage zu Maßen, Positionen, Höhen, Ausrichtungen, Feuchtigkeit sowie sicherheitsrelevanten Zonen.

Ergänzt wird dies durch eine auf den Baustellenbetrieb ausgelegte Infrastruktur, die Lade- und Dockingmöglichkeiten, definierte Start- und Landezonen sowie Sicherheitskonzepte umfasst. Hinzu kommen organisatorische Arbeitsabläufe wie festgelegte Scanzyklen, Rollen und Verantwortlichkeiten, etwa für Freigaben, Wartung und Monitoring. Diese Infrastruktur stellt sicher, dass OVIS im Baustellenalltag zuverlässig, sicher und wiederholbar eingesetzt werden kann.

Das Dashboard von OVIS bündelt die erfassten Daten der Drohnen und vergleicht sie automatisiert mit dem BIM-Modell. Bauleiter:innen erhalten einen Live-Status zu Qualität, Sicherheit, Fortschritt und relevanten Nachhaltigkeitsaspekten sowie klare, Handlungsmöglichkeiten.


Festool x OVIS

Festool steht seit Jahrzehnten für präzise Werkzeuge und systematische Arbeitsweisen im Bauhandwerk. Die bisherige Recherche zeigt jedoch, dass zentrale Probleme auf Baustellen wie fehlender Überblick, späte Fehlererkennung sowie ineffiziente und kaum datenbasierte Prozesse, nicht auf der Ebene einzelner Werkzeuge lösbar sind, sondern eine übergeordnete Steuerung von Prozessen und Informationen erfordern. Genau an diesem Punkt setzt OVIS an: Während Festool die physische Ausführung im Bauprozess abdeckt, ergänzt OVIS dieses Kerngeschäft um eine digitale Ebene, die Baustellen transparent macht, Daten kontinuierlich erfasst und Qualität, Sicherheit sowie Nachhaltigkeit absichert.

OVIS ist dabei als Ergänzung bestehender Festool-Lösungen konzipiert. Das System schafft die digitale Infrastruktur, in der hochwertige Werkzeuge ihr volles Potenzial entfalten können: Arbeitsprozesse werden nachvollziehbar, Ergebnisse messbar und Fehler frühzeitig sichtbar. Der gemeinsam entwickelte Systainer als Transport- und Schutzlösung für die Drohnen verankert diese Verbindung auch physisch im Festool-Ökosystem. Für Festool-Kund:innen bedeutet dies mehr Transparenz über den Bauzustand, frühere Fehlererkennung, reduzierte Nacharbeit sowie belastbare Qualitäts-, Sicherheits- und Nachhaltigkeitsnachweise.

Strategisch erweitert OVIS das Festool-Portfolio um integrierte, datengetriebene Lösungen und eröffnet neue Ansätze für Services, Beratung und Produktentwicklung. Festool kann sich dadurch stärker als Partner für Qualität, Prozesssicherheit und Nachhaltigkeit positionieren und neue Zielgruppen erschließen. Gleichzeitig profitiert OVIS von der Kooperation mit Festool durch Marktzugang, Branchenwissen und hohes Markenvertrauen, während die eigenständige Start-up-Struktur Raum für fokussierte Innovation lässt. So entsteht eine Partnerschaft, in der komplementäre Stärken gebündelt werden und die Grundlage für einen neuen Standard autonom unterstützter, datenbasierter Baustellenprozesse gelegt wird.