Exploration
Die Exploration umfasst den Prozess der Themenfindung sowie der Themenentwicklung.
Workshop
Am 3. November 2025 wurde der Projektstart mit einem Design-Futuring-Workshop beim Kooperationspartner Festool in Wendlingen eingeleitet. Ziel war es, gemeinsam erste Ideen für mögliche Projektinhalte zu entwickeln und zukünftige Herausforderungen im Handwerkskontext zu identifizieren. Dafür arbeiteten wir mit verschiedenen Futuring-Methoden wie der STEEP-Analyse, dem Futures Wheel und 2x2-Szenarien. Die Methoden ermöglichten es uns, gesellschaftliche, technologische und wirtschaftliche Entwicklungen systematisch zu betrachten und deren mögliche Auswirkungen auf das Handwerk zu diskutieren.

Es kristallisierten sich folgende Themenschwerpunkte heraus:
- Der mögliche Verlust von Handwerkskunst und Handwerksstolz durch den zunehmenden Einsatz von KI – verbunden mit der Frage, wie Handwerks-PR in Zukunft gestaltet werden kann.
- Wachsende Sicherheitsrisiken durch ungeschulte und heterogene Arbeitskräfte – und die Überlegung, wie Produktsemiotik zu mehr Orientierung und Sicherheit beitragen kann.
- Eine zunehmende Schnelllebigkeit durch neue Zertifizierungen und Regularien – sowie die Herausforderung, Transparenz zu schaffen, ohne Innovationsprozesse zu behindern.
Diese Themen verdeutlichten heutige Spannungsfelder im Handwerk. Sie bildeten außerdem eine wichtige Grundlage für die weitere Projektarbeit und halfen uns dabei, erste inhaltliche Schwerpunkte zu setzen.
Der Workshop eröffnete uns insgesamt wertvolle Einblicke und neue Perspektiven, vor allem durch den offenen Austausch mit den Mitarbeitenden von Festool. Der lebhafte Austausch und die positive Dynamik im Team verdeutlichten, wie vielfältig die Sichtweisen sind und welches Potenzial in interdisziplinären Zusammenarbeit liegt.

Wie können wir...?
Im Anschluss an die Workshopergebnisse entwickelten wir mehrere „Wie können wir…?“-Fragen sowie potenzielle Forschungsfragen, um uns möglichen Ansätzen anzunähern. Diese wurden thematisch geclustert. Im Folgenden ist ein Auszug favorisierter Fragestellungen dargestellt:
Demografischer Wandel, Tradition und Nachwuchs
- Wie können wir Ausbildungs- und Arbeitswelten gestalten, die Inklusion, Diversität und handwerklichen Sinn fördern?
- Wie können wir die Identität und Sinnhaftigkeit handwerklicher Arbeit neu erzählen, um junge Menschen für das Handwerk zu begeistern?
- Wie können wir eine neue Form von Handwerks-PR entwickeln, die soziale und ökologische Nachhaltigkeit verbindet?
- Wie kann ungelernten Kräften der Quereinstieg ins Handwerk erleichtert werden?
Nachhaltige Chancen
- Wie könnte eine Zukunft aussehen, in der keine Neuprodukte mehr hergestellt werden dürften und Festool sein Kerngeschäft transformieren müsste?
- Wie können Power Tools modular gestaltet werden, sodass sie adaptiv sind und man schnell auf neue Materialien oder gesetzliche Vorgaben reagieren kann?
- Wie können wir Nachhaltigkeit so kommunizieren, dass sie für Handwerker:innen und Entscheider:innen ökonomisch Sinn ergibt?
- Welche Kommunikationsstrategien führen im Handwerkssektor zu Investitionen in nachhaltige Technologien?
- Wie können wir Geschäftsmodelle entwickeln, die Wiederverwendung, Reparatur und Langlebigkeit wirtschaftlich attraktiv machen?
Geräteverständnis & Arbeitssicherheit
- Wie können Werkzeuge gestaltet werden, die auch von nicht ausgebildeten oder unregelmäßig geschulten Nutzer:innen sicher und intuitiv bedient werden können?
- Welche Schnittstellen zwischen analoger Werkzeuggestaltung und digitaler Assistenz sind für Handwerker:innen akzeptabel und praktikabel?
- Welche digitalen und analogen Möglichkeiten gibt es, um eine intuitive Handhabung für unterschiedliche Zielgruppen zu gewährleisten?
- Wie lässt sich die Sprache und Symbolik von Power Tools inklusiver, klarer und kulturell zugänglicher gestalten?
Künstliche Intelligenz
- Wie könnte das Produktonboarding eines KI-gestützten Power Tools aussehen?
- Wie lässt sich KI in Werkzeuge oder in damit verbundene Assistenzsysteme integrieren?
Die breite Auswahl an Fragestellungen wurde bewusst gewählt, um zu Beginn ein möglichst umfassendes Bild möglicher Zukunftsräume zu gewinnen. Im weiteren Projektverlauf erfolgte anschließend eine gezielte Fokussierung.
Themenfelder
Aus den explorierten Fragestellungen entwickelten wir erste Themenansätze für die weitere Auseinandersetzung. Dabei berücksichtigten wir Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken und formulierten begleitende Thesen. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem folgende Ideen diskutiert und skizziert:
- Ein Produktkatalog für künftig benötigte Power Tools
- Modulare Werkzeugsysteme und daraus entstehende Märkte und Chancen
- Ein Zukunftsbild des Handwerks als beständiger und unersetzlicher Beruf
- Die kommende „Generation AI“ und ihre Erwartungen an zukünftige Arbeitgeber:innen (Technologieeinsatz, Digitalisierung, KI-Integration, Automatisierung, Innovationsfreude etc.)
Da sich einzelne Themenfelder gut miteinander kombinieren ließen, führten wir inhaltlich zusammenhängende Ansätze gezielt zusammen. Auf dieser Grundlage setzten wir erstmals einen thematischen Schwerpunkt:
KI Natives – Neue Anforderungen und Erwartungen an das Handwerk und die Nutzung von Power Tools
Dieser Schwerpunkt basiert auf der Annahme, dass KI Natives den Umgang mit Künstlicher Intelligenz grundlegend anders erleben werden als frühere Generationen. Die nächste Generation wächst mit KI als selbstverständlichem Bestandteil ihres Alltags auf. Daraus ergeben sich neue Anforderungen und Erwartungen an das Berufsfeld Handwerk, an Betriebe sowie an smarte und assistive Werkzeugsysteme.
Vor diesem Hintergrund beschäftigten wir uns fortlaufend mit der Frage, welche Vorstellungen und Ansprüche diese Generation an Arbeitsprozesse, Lernangebote und technologische Unterstützung mitbringen wird.
Im Hinblick auf die zunehmende KI Gewichtung formulierten wir einige Thesen, von denen insbesondere folgende hervorstachen:
- Wenn KI repetitive Tätigkeiten übernimmt, steigt der sogenannte Handwerksflow, und Handwerker:innen können sich stärker auf manuelle und kreative Prozesse konzentrieren.
- Wenn KI personalisierte Lernstände, Fähigkeiten und Fortschritte sichtbar macht, stärkt dies die fachliche Identifikation mit dem Beruf.
- Wenn das Handwerk KI-gestützte Werkzeuge sowie moderne Lern- und Arbeitsroutinen nutzt, können Prozesse effizienter und transparenter gestaltet werden.
Daraus leiteten wir eine zentrale Annahme ab:
Durch den Einsatz von Hightech wird wieder mehr tatsächliche Handarbeit ermöglicht.
Parallel dazu setzten wir uns mit kritischen Annahmen auseinander. Wir fragten uns, in welchen Bereichen KI überflüssig ist, welche Tätigkeiten Fachkräfte aktuell als belastend empfinden und welche Arbeitsschritte bereits heute digital unterstützt werden. Zudem diskutierten wir, wie handwerkliche Werte und Berufsethik trotz zunehmender Technologisierung erhalten bleiben können.
Identifiziertes Spannungsfeld:
Aus diesen Überlegungen kristallisierte sich ein zentrales Spannungsfeld heraus: Verlernen vs. Lernen.
Wenn Power Tools durch technologische Systeme wie automatische Drehzahlregulierung oder Winkelkorrektur unterstützt werden, stellt sich die Frage, verlernen wir die Kompetenz, das Werkzeug richtig zu benutzen oder bringt es uns im Gegenteil bei, das Werkzeug richtig zu benutzen?
Interviews
Während des Semesters führten wir Gespräche mit unterschiedlichen Akteur:innen, um unser Konzept weiterzuentwickeln und zentrale Hypothesen zu überprüfen.
Ende November 2025 gingen wir mit einem interaktiven Poster auf eine Bildungsmesse, um dort angehende Azubis zu erreichen und herauszufinden, wie sie sich das Handwerk künftig vorstellen und was wünschenswert wäre.
Mit zunehmender Konkretisierung des Konzepts suchten wir gezielt den Austausch mit ausgebildeten Handwerker:innen, um die Umsetzbarkeit einzelner Ideen zu überprüfen. Insgesamt sprachen wir mit mehreren Schreiner:innen, einem Maurer und einem Medizintechniker. Ihre Expertise erwies sich als sehr wertvoll für unser Konzept, da sie dabei half, realistische von weniger umsetzbaren Ansätzen zu unterscheiden.
Ein Teil der Gespräche fand wiederholt statt, da insbesondere die Beratung zu fachspezifischen Aufgaben und Werkzeugen essenziell für uns war. Vor allem in der späteren Phase erhielten wir wichtige Hinweise für das finale Konzept, etwa welche Werkzeuge geeignet sind für ungelernte Arbeitskräfte. Dadurch entstand ein differenziertes Bild für unser Szenario, in dem junge Menschen in Handwerksbetrieben mitarbeiten.
Abschließend befragten wir 17-jährige Jugendliche, um bei Entscheidungen zur Markenentwicklung und zur generationengerechten Zielgruppenansprache zusätzliche Perspektiven einzubeziehen.