Konzept

Die Bedarfswehrpflicht

Im Jahr 2025 wird in Deutschland wieder intensiv über die Wiedereinführung der Wehrpflicht diskutiert. Es wurden am 01. Januar 2026 neue gesetzliche Grundlagen geschaffen: die Modernisierung des Wehrdienstgesetzes ist in Kraft getreten. Jahrgänge ab 2008 erhalten Briefe zur Motivation und Musterung (tagesschau, 2026). Diese politische Debatte zeigt deutlich, dass eine Form der Wehrpflicht nicht länger als Zukunftsfrage betrachtet wird, sondern als ein realistisches Szenario.

Das Projekt geht deshalb konsequent einen Schritt weiter und fragt nicht, ob die Bedarfswehrpflicht kommt, sondern wie Gesellschaft, junge Menschen und das Handwerk darauf vorbereitet sein können.

Was wäre, wenn junge Menschen ihren Beitrag zur Gesellschaft nicht militärisch, sondern handwerklich leisten?

Erste Demonstrationen zeigen auch, dass viele junge Menschen einen klassischen Wehrdienst ablehnen (schulstreikgegenwehrpflicht, 2026), signalisieren aber gleichzeitig Bereitschaft, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Nur eben nicht mit der Waffe, sondern mit sinnstiftender Arbeit.

Generation Alpha und Beta

Im Jahr 2035 ist eine Generation herangewachsen. Generation Alpha und erste Betas wachsen mit Digitalisierung, KI und Automatisierung auf. Parallel dazu sollen Inhalte nicht nur simuliert oder digital vermittelt werden. Vieles soll bewusst wieder physisch, greifbar und real stattfinden.

In diesem gesellschaftlichen Kontext wird das Handwerk neu gedacht: als ziviler Alternativdienst im Handwerk!

Der zivile Handwerksdienst (ZHD)

Der zivile Handwerksdienst stellt eine staatlich initiierte und bundesweit organisierte Einrichtung dar, die als gleichwertige Alternative zur Wehrpflicht betrachtet wird. Der ZHD wird in Kooperation mit dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAfZA) umgesetzt und in die institutionelle Struktur integriert. Es handelt sich nicht um ein Praktikum, eine Ausbildung oder ein Ehrenamt, sondern um einen klar geregelten Dienst mit Verantwortung. Der ZHD begreift Handwerk nicht allein als Beruf, sondern als gesellschaftliches Tun, das zur Stabilisierung von Betrieben, zur Weitergabe von Wissen, zur Förderung von Nachhaltigkeit und zur Reduktion des Fachkräftemangels beiträgt.

Die Toolbag: Standardisierung statt Überforderung

Herzstück des Konzepts ist eine standardisierte Toolbag, basierend auf einem bestehenden Festool-Werkzeugträger-System (Angelehnt an das Modell Systainer³ ToolBag M). Diese Toolbag wird allen Zivis zu Beginn ihres Dienstes ausgegeben und enthält ausschließlich sorgfältig ausgewählte Basiswerkzeuge, die für einfache handwerkliche Tätigkeiten, insbesondere in der Schreinerei, notwendig sind.

Wichtig dabei: Der ZHD richtet sich bewusst auch an Menschen ohne Vorerfahrung. Deshalb liegt der Fokus nicht auf Komplexität, sondern auf sicheren, klar definierten Einsatzbereichen wie Montage, einfache Reparaturen oder vorbereitende Tätigkeiten. Die Toolbag schafft klare Standards, reduziert Unsicherheit und sorgt dafür, dass alle Beteiligten mit denselben Voraussetzungen arbeiten.

Aus Gründen der Fairness und Kostenstruktur bleiben Power Tools wie der Akku-Bohrschrauber betriebliches Eigentum. Diese werden über ein Festool-Refurbishment-Programm als Leihgeräte bereitgestellt. So entsteht kein Ungleichgewicht gegenüber Auszubildenden, die üblicherweise keine eigene Ausstattung erhalten. Interviews mit Schreiner:innen halfen dabei, den Werkzeuginhalt zu validieren. Selbstverständlich sind die Inhalte der Toolbag je nach Betrieb anpassbar, in diesem Projektrahmen beinhaltet die Toolbag folgendes:

  • Werkzeugtasche Systainer³ ToolBag M (Festool)
  • 2 Einhandzwingen FS-EZ 150/2 (Festool)
  • Trinkflasche TFL-FT1 1L (Festool)
  • Bitkassette BKS SYS3 25mm (Festool)
  • Schraubendreher mit Bitmagazin (Festool)
  • Spiralbohrer BKS SYS3 D3-10 CE/W (Festool)
  • Feinsäge Standard (Erweiterung)
  • (Schlosser) Hammer Standard (Erweiterung)
  • Schutzbrille UVEX (Festool)
  • Akku-Bohrschrauber CXS 18 als Leihgabe (Festool)
  • Wasserwaage Mini (Erweiterung)
  • Bleistift (Festool)
  • Schreiner:innenwinkel Standard (Erweiterung)
  • Gehörschutz Mini (Festool)
  • Notizblock Mini (Erweiterung)

Der Quick-Starting-Guide: Autonomie von Anfang an

Ergänzt wird die Toolbag durch einen kompakten Quick-Starting-Guide in Form eines Faltplakats. Dieses erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • persönliche Zugangsdaten, geschützt durch ein Rubbel-Feld
  • verständliche Begrüßung ins Dienstjahr
  • Verlinkung zur bundesweit einheitlichen ZHD-App per QR-Code
  • visuelle Checkliste aller Toolbag-Inhalte

Ziel ist es, den Zivis einen selbstständigen Einstieg zu ermöglichen, ohne sofortige Betreuung zu benötigen. Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist diese Autonomie entscheidend: Der Betrieb soll entlastet werden.

Die ZHD-App: Lernen, anwenden, weitermachen

Die App ist die digitale Erweiterung der Toolbag. Sie vermittelt Grundlagenwissen, Sicherheitsaspekte und nachhaltige Arbeitsweisen. Angepasst an die Mediengewohnheiten der Generation Alpha und Beta, die mit neuesten Technologien nativ aufgewachsen sind.

Der didaktische Fokus liegt auf kurzen, verständlichen Einheiten:

  • Pre-Skill-Checks per Swipe-Interaktion
  • ein zwei- bis vierwöchiges Onboarding, je nach Erfahrungsstand
  • kurze Video-Snippets (20–60 Sekunden), die Schritt für Schritt durch Übungen leiten
  • einfache Textimpulse und visuelle Erklärungen
  • optionale AR-Elemente für Erweiterungen wie visualisierte Bewegungsabläufe oder Winkelanpassungen

Der Fokus hierbei: Die App soll nicht vom Arbeiten abhalten, sondern es ermöglichen. Wissen wird schnell abgeholt, danach geht es “zurück an die Werkbank”.

Inhaltlich orientiert sich die App an offiziellen Ausbildungsgrundlagen des Tischler:innenhandwerks, ohne den Anspruch einer Ausbildung zu ersetzen. Es geht um Basics, Handhabung, Sicherheit, Materialkunde, Instandhaltung, Normen und nachhaltiges Arbeiten.

Ein zentraler Bestandteil der App ist der Community-Aspekt. Zivis können Gruppen beitreten oder selbst gründen, sich regional vernetzen, Erfahrungen teilen oder gemeinsam an Challenges teilnehmen. Fortschritte werden sichtbar gemacht und Skills werden gesammelt und im Anschluss vergleichbar gemacht. So entsteht ein Gefühl von Zugehörigkeit, Austausch und gemeinsamer Verantwortung.

Zusammen ergeben die Toolbag, das Booklet und die App ein konsistentes System, gestalterisch wie inhaltlich. Die Gestaltung respektiert die bestehende Festool-Produktsprache, ergänzt sie aber um ein eigenständiges ZHD-Branding mit stärkerem Materialbezug zu Holz und Handwerk. Die Gestaltung verfolgt das Ziel von Wertigkeitsempfinden und das Gefühl etwas besonderes zu besitzen. Nach Abschluss des Dienstjahres bleibt die Toolbag im Besitz der Zivis. Als Zeichen der Anerkennung und als Grundlage, erlernte Fähigkeiten weiter zu nutzen.

Wirkung und Perspektive

Der zivile Handwerksdienst adressiert mehrere gesellschaftliche Herausforderungen gleichzeitig:

  • Entlastung von Betrieben
  • Reduktion des Fachkräftemangels
  • Förderung einer Repair-Culture
  • Stärkung von Nachhaltigkeitsbewusstsein
  • frühe Orientierung für mögliche Ausbildungswege

Für Festool entsteht dabei eine langfristige, glaubwürdige Markenbindung. Die Marke wird erlebt und das früh und im praktischen Kontext.

Schlussendlich macht eine begleitende Kampagne auf die handwerkliche Wehrdienstalternative aufmerksam.