2. Themenfelder

Aus der eigenen Exploration und dem gemeinsamen Workshop mit Festool kristallisierten sich drei zentrale Themenfelder heraus. Diese bilden den inhaltlichen Rahmen, um erste konkrete Zukünfte zu skizzieren.

Co-Creation

Vor dem Hintergrund steigender Komplexität und vernetzter Prozesse identifizierten wir Co-Creation als mögliches zukünftiges Arbeitsprinzip im Handwerk. Dabei ging es nicht um Beteiligung als Marketinginstrument, sondern um gemeinsames Denken, Entscheiden und Lernen zwischen Handwerker:innen, Kund:innen, Herstellern und digitalen Systemen.

Besonders deutlich wurde, dass sich das klassische Modell von Auftraggeber und Ausführendem zunehmend auflöst und durch kollaborative Prozesse ersetzt wird. Wissen wird geteilt, Verantwortung verteilt und Entscheidungen gemeinsam getroffen.

Co-Creation wurde dabei als Schlüssel verstanden, um Nachhaltigkeit und technologische Komplexität im handwerklichen Alltag handhabbar zu machen, nicht als Zusatz, sondern als integralen Bestandteil der Arbeit.

Nightworking

Das Thema Night Farming und sogenannte Quiet Communities wurde im Rahmen der Recherche zunächst über Signale aus Social Media sichtbar. Vor dem Hintergrund zunehmender Hitzebelastung, Klimawandel und gesundheitlicher Risiken zeigte sich, dass nächtliche Arbeits- und Logistikprozesse in der Landwirtschaft bereits als ernsthafte Alternative diskutiert werden.

Diese Beobachtung übertrugen wir auf das Handwerk. Auch hier gewinnen Aspekte wie Hitzeschutz, Lärmbelastung, Energieeffizienz und veränderte Tagesrhythmen an Bedeutung. Night Work erschien uns daher als spannendes Zukunftsfeld, das nicht nur ökologische Vorteile bietet, sondern auch neue Anforderungen an Werkzeuge, Energieversorgung und Arbeitsorganisation mit sich bringt.

Lebenslanges Lernen

Egal ob durch neue Materialien, strengere Regulierungen oder digitale Prozesse: Das Handwerk steht unter massivem Anpassungsdruck. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Wissen schneller veraltet, Anforderungen sich kontinuierlich ändern, und formale Weiterbildungen dafür nicht mehr ausreichen.

Wir haben untersucht wie Werkzeuge, Systeme und Arbeitsumgebungen Lernen direkt im Arbeiten ermöglichen (engl. Blended Learning). Daraus entstand folgendes Zukunftsbild:

Im Jahr 2035 ist Lernen kein separater Lebensabschnitt mehr, sondern Teil der Arbeit selbst. Werkzeuge werden Systemen, die Wissen vermitteln und individuelles Können weiterentwickeln. Hersteller wie Festool agieren nicht mehr nur als Werkzeuganbieter, sondern als Lerninfrastrukturen. Arbeiten, Lernen und Weitergeben greifen ineinander – selbstbestimmt, dezentral und lebenslang.

Aufgrund seiner hohen Relevanz wurde dieses Feld als Fokus für die weitere Forschung definiert. Sowohl der Workshop mit Festool als auch die methodischen Analysen bestätigten, dass ein lernendes Handwerk die kritische Ressource für die Zukunftsfähigkeit der Branche ist.